GRUNDDATEN

 

Name

Auf Lateinisch heißt die lateinische Sprache «Lingua latina».

 

Sprachgeschichte

Das Lateinische ist, wie das Griechische und Deutsche, ein Nachkomme der indoeuropäischen (= indogermanischen) Ursprache. Die ersten schriftlichen Belege des Lateinischen stammen aus dem 6.Jh vChr, eine nennenswerte literarische Produktion begann erst in der 2.Hälfte des 3.Jh vChr (Livius Andronicus, Plautus). Ursprünglich ein kleiner italischer Dialekt, breitete sich das Lateinische durch die fortwährenden Eroberungen des römischen Reichs auf den gesamten Mittelmeerraum und Teile des Schwarzmeergebiets, nach Norden bis an den Rhein aus. Muttersprache war es lange Zeit nur in weiten Teilen Italiens, in den anderen Gebieten nur Verwaltungs-, Bildungs- und Handelssprache. Bis zum Ende der Antike (5./6. Jahrhundert) hatte sich das Lateinische als Muttersprache im Gebiet der heutigen romanischen Länder (Italien, Spanien/Portugal, Frankreich, Rumänien) durchgesetzt. Mit dem Zerfall des Reiches begann die allmähliche Umwandlung des Vulgärlateinischen in die Romanischen Sprachen (Italienisch, Spanisch/ Portugiesisch, Französisch, Rumänisch und einige kleinere). Damit verschwand das klassische Latein als Muttersprache. Es blieb jedoch im Mittelalter und teils bis in die Neuzeit in Europa internationale Sprache der Gebildeten und Sprache fast aller offiziellen Dokumente und wissenschaftlichen Abhandlungen. — Latein ist nach wie vor eine der meistgelernten Sprachen der Welt; viele Millionen Menschen, vor allem in Europa und Nordamerika, besitzen mindestens Grundkenntnisse in Latein. Bis heute ist Latein Staatssprache des Vatikan (neben Italienisch) und offizielle Sprache der katholischen Kirche. Neuerdings gibt es in Europa wieder einige Dutzend «Muttersprachler», da einige fanatische Lateinliebhaber ihre Kinder zweisprachig erziehen (Latein + Landessprache).

 

Wichtige Dialekte/Varianten

— Altlatein

— klassisches Latein (antike Hochsprache der gebildeten Römer nach dem Vorbild Ciceros und Caesars)

— Vulgärlatein (antike Umgangssprache des einfachen Volks, aus der später die romanischen Sprachen entstanden sind)

— Mittellatein (mittelalterliches, den praktischen Bedürfnissen angepasstes Latein als Verkehrs- und Bildungssprache Europas, keine Muttersprache)

 

 

BESONDERHEITEN DES SPRACHSYSTEMS

 

Rechtschreibung

Regelmäßig mit lateinischem Alphabet ohne Sonderzeichen. 

 

Lautsystem

Das Lateinische besaß 5 Vokale und 18 Konsonanten, wobei alle Vokale und die meisten Konsonanten in einer kurzen und einer langen Variante vorkommen, außerdem 6 Diphthonge; die Vokale wurden teils nasaliert. Die heutige Schulaussprache ist demgegenüber stark vereinfacht und nach deutschen Aussprachegewohnheiten umgemodelt.

 

Deklination

Das umfangreiche Deklinationssystem (Abwandlung der Substantive, Adjektive, Pronomen, Zahlwörter) bereitet nicht nur beim Lernen Mühe, sondern auch beim Übersetzen, da die meisten Formen sehr vieldeutig sind. Außer den aus dem Deutschen bekannten vier Kasus (Nominativ, Akkusativ, Genitiv, Dativ) gibt es weitere drei: Vokativ, Ablativ und Lokativ.

 

Konjugation

Das Konjugationssystem (Abwandlung der Verben) ist ebenso komplex und unregelmäßig wie z.B. im Französischen, Spanischen, Italienischen. Ein vollständiges Verb bildet 238 Formen (ohne Nebenformen und Deklinationsformen der Infinitive und Umschreibungen), bestehend aus 159 Konjugationsformen mit Personalendung + 11 Infinitiven (einschließlich Gerundium und 2 Supina) + 4 Partizipien zu je 19 oder 11 Deklinationsformen. Davon sind allerdings 64 Formen umschreibende Mehr-Wort-Formen. Das Verb hat zahlreiche Konjunktive sowie Personalendungen, die ein Subjektpronomen weitgehend überflüssig machen. Besonders das Tempussystem ist gut ausgebaut, da zu jeder der drei Hauptzeiten (Gegenwart, Vergangenheit, Zukunft) zusätzlich eine vorzeitige und eine nachzeitige Zeitstufe (teils per Umschreibung) verfügbar ist. In der Vergangenheit ist eine Aspektunterscheidung zwischen Abgeschlossenheit (Perfekt) und Unabgeschlossenheit (Imperfekt) möglich.

 

Wortbildung

Zur Bildung neuer Wörter ist die Sprache nur in geringem Umfang in der Lage, da Komposition (Wortzusammensetzung) nicht erlaubt ist und zur Derivation (Wortableitung) nur wenige produktive Ableitungssilben zur Verfügung stehen. Seit der Antike bis heute behilft man sich daher in Wissenschaft und Gesellschaft bei neuen Begriffen meist mit umständlichen Umschreibungen und griechischen Fremdwörtern.

 

Syntax

Besonderheiten des Satzbaus sind zum einen die zahlreichen Nebensätze und Hauptsätze mit Verb im Infinitiv (AcI, NcI, Inf. ohne Subjekt, historischer Inf.); zum anderen versuchten viele Autoren, die griechischen Partizip-Nebensätze nachzuahmen (Participium coniunctum, Ablativus absolutus), was wegen der Unvollständigkeit des lateinischen Partizipiensystems nur mit Einschränkungen gelang. Kasusendungen und Kongruenz (= Formübereinstimmung zwischen zusammengehörigen Wörtern) ermöglichen eine sehr freie Wortstellung, die jedoch oft das Verständnis geschriebener Texte behindert, ebenso wie die Tatsache, dass kein Artikel existiert.

 

Stilistik

Faszinierendste Eigenschaft des Lateinischen ist die alle europäischen Sprachen überragende Fähigkeit zu prägnant kurzen Formulierungen, die u.a. Reden und Sinnsprüchen große Wirkung verleiht. 

 

Metrik

Das Lautsystem der Sprache bildet auch die Voraussetzung für die nach griechischem Vorbild ausgebildete Metrik der poetischen Texte, die einen erstaunlichen Formenreichtum ermöglicht (siehe Altgriechisch).

 

 

BEMERKENSWERTE LITERATUR 

 

In lateinischer Sprache ist eine große Zahl von Werken verfasst, die als Weltliteratur gelten. Aus der Blütezeit der römischen Literatur sind unter anderem die philosophischen und rhetorischen Werke Ciceros, die Geschichtsschreibung von Caesar, Sallust, Livius und Tacitus und die poetischen Werke von Vergil, Ovid und Horaz zu nennen. Aus christlicher Zeit seien beispielsweise die theologischen Schriften des Augustinus und Hieronymus erwähnt; von Hieronymus stammt auch die lateinische Bibelübersetzung (Vulgata), die von der katholischen Kirche als gleichwertig mit dem griechisch-hebräischen Original anerkannt wird.

 

 

WARUM ES SICH LOHNT, DIESE SPRACHE ZU LERNEN 

 

Das Lateinische bildet, zusammen mit dem Griechischen, die Grundlage der europäischen Kultur, was an zahlreichen Fakten deutlich wird: 

• Zum ersten stammt die Familie der romanischen Sprachen (Ital., Span., Port., Franz., Rumän. u.a.) direkt vom Lateinischen ab. Lateinkenntnisse erleichtern das Lernen dieser Sprachen und legen die Zusammenhänge zwischen ihnen offen.

• Zweitens wurde eine große Menge lateinischer Wörter in alle europäischen Sprachen entlehnt. Der englische Wortschatz z.B. besteht zu zwei Dritteln aus Wörtern, die direkt oder indirekt (v.a. übers Altfranzösische) aus dem Lateinischen (oder Griechischen) stammen und deren Bedeutung sich selbst der englische Muttersprachler ohne Lateinkenntnisse oft nur schwer merken kann. Im Deutschen beträgt der lateinisch-griechische Anteil etwa ein Viertel. Auch heute noch werden die alten Sprachen als Steinbruch für unzählige neue Wortschöpfungen verwendet.

• Drittens ist auch der Einfluss der lateinischen und griechischen Grammatik auf die der anderen Sprachen unübersehbar. Z.B. haben das Deutsche und Englische nach lateinisch-griechischem Vorbild die Kategorie Futur eingeführt. 

• Viertens übten die in Latein und Griechisch verfassten Werke einen beherrschenden Einfluss auf die gesamte europäische Geisteswelt aus. Die Ursprünge unseres Wissens und Weltbilds können wir hier kennen lernen. 

• Fünftens sind die meisten wichtigen europäischen Schriftdokumente des Altertums und Mittelalters auf Latein verfasst, wodurch diese Sprache für jeden historisch Interessierten unentbehrlich ist.

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